seelenstriptease

seelenstriptease

(„the strumbellas – sailing“)

 

…jetzt mal ehrlich: als heutige Mittzwanzigerin stehen einem doch alle Türen und Tore auf. Selbst mit Wassergräben oder meterhohen Zäunen als Hindernis davor. Wenn uns danach ist, nehmen wir Anlauf und stellen uns dem Hinternis, das am Ende oft nichtmal eines ist. Wir dürften. Wenn wir wollten.

Ist das das Problem der heutigen Zeit? Dass wir dürfen, wenn wir wollten? Dass wir könnten, wenn uns danach ist?

Wir alle hatten dieses Phänomen doch in unserer Kinderheit schon, auch in unserer Jugend: War etwas verboten, war es interessant. Was man keinesfalls durfte, musste unbedingt gemacht werden. Dieser Reiz, das Interesse gerade an den Dingen, die nicht für einen gut sind. Die Zeit kann vergehen und manche Ge- und Verbote sich ändern. Und wir ändern uns gleich mit. Immer schön entgegengesetzt.

Ich glaube, es liegt in unserer Natur immer weiter zu streben. Und das ist auch gut so. Aber was tun in Momenten, in welchen das Ziel erreicht, das Ersehnte erlebt, das Vermisste gesehen? Einen Mittelweg zu finden, um mit sich selbst im Reinen und vorallem zufrieden und auch stolz zu sein (du darfst, nein, du musst sogar!) und trotzdem die Spannung und den Reiz des Lebens nicht aus den Augen zu verlieren, ist, glaube ich, eines der Geheimnisse, die das Leben für uns bereit hält.

Die Welt steht uns von Tag zu Tag mehr offen, Verbote und Gesetze, die uns früher eingeschränkt haben (man denke mal nur an das Bild der früheren Frau: Kinder, Haus, Herd. Hip hip!) wurden durch starke Personen mit echten Worten klein bekommen, Dank der Medien verbreitet und für immer mehr von uns erreichbar. Hey – was andere können, kann ich doch wohl auch. Wenn das so viele schon geschafft, warum dann nicht auch ich?

Um der Überschrift gerecht zu werden… Ich persönlich habe Angst zu rasten. Ja, ich liege gerne faul in der Sonne, manchmal mit einem guten Buch. Ja, ich schlafe gerne mal aus (wobei sich die Zeiten immer mehr verkürzen), ja, ich möchte nach der Arbeit einfach mal nur dumm in die Luft schauen. Doch habe ich – tadaaaa! – sehr wohl die Angst, später zurück zu sehen und zu denken: hätte ich doch nur, warum habe ich nicht, lalala, trallala. Jeder kennt das. Jeder. Und meine lieben Mitgesinnten: Auch die, die behaupten, sie könnten rein gar nichts aufzählen, das sie bereuen würden, nicht getan zu haben. Irgendwas gibt es doch. Versprochen. Denn, wie bereits schon festgestellt: Es liegt in unserer Natur, immer weiter zu wollen.

Doch wo nur ist dieser verdam*te Mittelweg, warum können da keine blinkenden Leuchtschilder stehen, die mich mit Melodie und Brimborium hinweisen: Hier, hier gehst du jetzt lang, dann bist du am Ende deiner Zeit mit allem und jedem im Reinen, glücklich und zufrieden.

 

Weil das Leben nunmal kein Wunschkonzert ist. Richtig? Richtig. Wäre ja auch irgendwie fad. Wo wir wieder beim Thema wären…

 

Ich glaube, sich Ziele zu stecken, die schwer erreichbar sind, fordern. Denn eigentlich können wir doch auch immer nur gewinnen: Entweder, wir gewinnen die „Mission“, die wir uns gesetzt haben (eine Familie mit Hund und Haus? ein Fallschirmsprung? Vielleicht der langersehnte Roadtrip?) oder aber wir gewinnen an Erfahrung. Ich könnte spontan gar nicht sagen, was für die eigene Person wichtiger wäre. Bestenfalls: beides zu bekommen. Und es auch als solches zu erkennen.

Aber dann, dann kommt auf einmal auch noch die Angst, etwas zu verpassen.

Moment, also wie jetzt: Alles mögliche machen und erleben wollen und gleichzeitig die Angst haben, etwas verpasst zu haben? Was denn nun?

Herzlich willkommen bei meinem ganz persönlichen Seelenstrip. Wenn ich nun das mache, oder aber genau nicht mache, ist dann vielleicht, oder wäre es nicht besser? Was könnte denn, was würde wohl? Mit rauschendem Crescendo dreht sich das Karusell weiter und weiter und weiter … Bis ich endlich den Fuß strecke, bremse und anhalte. Stop! Und wir alle haben es. Alle. Manche vielleicht nicht ganz so schnell, andere nicht oft. Aber wir haben es. Was nun also machen?

MACHEN ist, so glaube ich, das Stichwort. JETZT. J.N.O.

Was auch immer, aber machen.

Vor ein paar Jahren ist – sehr überraschend – ein guter Freund aus früheren Zeiten verstorben. In der Blüte seiner Zeit, er war noch nicht mal Mitte 30. Auf einmal war er weg und kam auch nicht mehr zurück. Einfach so. Wir erhielten keine Vorwarnung, manche blieben im Streit zurück oder mit unausgesprochenen Worten und Gedanken. Es kann sich einfach so vieles, grundlegendes schlagartig ändern und wir haben noch nicht ein mal den Hauch einer Ahnung, wann es uns erreicht.

Und schon gewinnt das Gedankenkarussell wieder an Fahrt…

Geben wir einfach unser Bestes, versuchen wir, es in eine für uns angenehme Geschwindigkeit zu bekommen, das Karusell mit all unseren Gedanken. Machen wir es doch zu einem Zug, mit Stopps nach Belieben und bestenfalls in Richtung des Leuchtschildes zum Mittelweg, der sicher, ganz sicher, irgendwo zu finden ist.

 


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